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Kinderkrams umsonst

Chinesisch-Seminare, Sport-Bootcamps, Acro-Yoga und Gourmetkochkurse für die ambitionierte Aufzucht des Nachwuchses gibts auf Sylt nicht. Dafür Herzensbildung vom Feinsten, die größte Sandkiste der Welt und tierisch viel zu entdecken: Es sind die schlichten Sylter Dinge, die Kinder wirklich glücklich machen.

 

Ein bekanntes Sylter Kindersyndrom sieht so aus: Kleines wird quengelig, Kleines nervt, Kleines will Aufmerksamkeit, Kleines ist irgendwie aus dem Lot, jammerjammer. Na guuuut, wir gehen an den Strand. Nichts hilft so nachhaltig, so direkt gegen schlechte Laune, Laaangeweile und Unzufriedenheit wie die Sylter Luft, Meeresaerosole der Brandung und körperliches Ausagieren von Verstimmung am Strand. Düne rauf, schnauf, schnauf, Düne runter, durch den tiefen Sand und wenn der erste Zeh in die Nordsee taucht, ist alles wieder gut. Zweijährige, die im daunengefütterten Onepiece schnurstracks winters ins Wasser marschieren, Pubertiere, die mit kieksender Stimme in der Welle jubilieren, längst erwachsene Sylter Kinder, die alle drei, vier Monate oder mindestens einmal im Jahr nach Hause müssen, egal, wo sie gelandet sind auf der weiten Welt, nicht nur wegen der Familie und Freunde, nein, vor allem wegen der Nordsee. Der weite Blick, die Kraft des Wassers, der Respekt vor den Naturgewalten, dieses unvergleichlich tiefe Atmen: Da weiß man, wo man so steht auch als kleiner Mensch, im Großen und Ganzen, das justiert neu, das bringt dich zu dir, »in deine Mitte«, wie es auf Selbsterfahrerisch heißt.

So sind die wahren Sylter Sensationen für Kinder eher die vermeintlich unspektakulären, die nicht-plakatierten und herausposaunten, die, die auch noch gratis sind: Krebsesuchen im Watt; so lange am Flutsaum in den kommenden und gehenden Wellen festwachsen und langsam immer tiefer einsinken, bis der erste umfällt; Wolkengucken und einen Staudamm gegen das auflaufende Wasser bauen; Strandgut sammeln und was draus basteln; Fliegenpilze bestaunen im Morsumer Wäldchen; am Strand ausreiten; im Bollerwagen happy und wohlig erschöpft nach Hause chauffieren lassen von Papa nach einem langen, heißen Strandtag; feuchtwarm glänzende Kuhschnauzen streicheln; gestrandete Quallen retten und mit der klassisch blauen Blechschaufel wieder ins Wasser werfen; Schafe zählen; mit einem Kescher rumfischen; am Dünenfuß mit dem besten Kumpel rumhocken und stundenlang quatschen oder schweigen; abends ein Pizzaabendbrot am Strand reinhauen; gegen den Wind stemmen. (Apropos Wind: Sollten Sie mit einem Kleinkind am Strand unterwegs sein und es gedankenverloren kurz aus den Augen verloren haben: Die Gören verschwinden immer MIT dem Wind, wenn sie auf spontane Strandexkursion gehen. Und keine Sorge, JEDER der ambitionierten und hellwachen Rettungsschwimmer pflückt herrenlose Minis SOFORT aus der Strandkorbszenerie.) Natürlich gibt es auch ein erstklassiges und breit gefächertes Programm auf Sylt für die lieben Kleinen. Alle Inselgemeinden bieten professionelle Kinderbetreuung, wenn Sohn und/ oder Tochter sich mal von den Eltern erholen müssen oder wollen. Alle Dörfer und die Hauptstadt Westerland haben phantasievolle Extraveranstaltungen auf dem Plan, regelmäßig werden Fußballsommercamps von namhaften Vereinen angeboten, die Reederei Adler-Schiffe schippert die ganze Familie zu den Seehunden, auf Angeltörns, zu den Muschelbänken, auf Piratentörn oder zum Seetierfang. Den Rest regeln Enthusiasten, die sich ihrer Passion verschrieben haben und den Nachwuchs spielerisch ans Surfen, in die Zirkuskuppel, ans Bogenschießen, Metallverarbeiten oder Holz heranführen, ans Motocross auf Minimaschinen, ans Pferd in den Reitställen, in das »wilde« Sylt im Naturschutzzentrum und bei der Schutzstation Wattenmeer. Die einschlägigen Schlechtwetterbeschäftigungsmöglichkeiten wie beispielsweise das Aquarium, die Sylter Welle, das Erlebniszentrum Naturgewalten, das Kino oder die geniale Kletterwand in der Norddörferhalle finden Sie von ganz alleine. Aber dass weniger oft sehr viel mehr ist, hier am Meer, das können Sie sich gern bei den Sylter Kindern abgucken. Wir behaupten: Die Quängelquote der Inselkinder liegt deutlich unter dem bundesdeutschen Schnitt, einfach, weil sie ständig am oder im Meer sind, und zwar bei jedem Wetter.

 

Aufs Meer gucken, mit dem Kescher rumfischen, .Schatzsuche im Strandsand spielen., oder einfach mal gaaaanz lange gar nichts tun und das Wasser sowie die Gedanken kommen lassen: Kindisch sein auf Sylt tut einfach gut

 

Smartphonefreies Vergnügen, internetlose Zonen., animationsabstinente Freiräume: Abgucken kann man sich bei den Kindern und Jugendlichern der Insel und ihren gleichaltrigen Gästen eine ganze Menge, auch als Erwachsener: Der Verzicht auf Events, Tamtam und Blingbling, das Unterbrechen derKommunikations-Dauerbefeuerung und des Konsumstreams beherrschen sie alle vom Fleck weg erstaunlich gut direkt am Meer. Wenn man sie denn lässt.

 

Hanni und Nanni spielen, ein Buhnenwarnschild mit Pferden einkreisen, mit klatschnasser Reithose nach Hause kommen, weil die Wellen an den Sattelgurt klatschten, kletternd neue Freunde im Handumdrehen finden: Sylt ist einfach gut zu Kindern und setzt dabei manchmal auch auf tierische Unterstützug

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Vielen Dank für diesen schönen Artikel !

Helen

Kommentar von Helen |

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