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Das ist der Hammer

Als Vorspeise vielleicht etwas Waschbeton, zum Nachtisch einen Zollstock
oder drei Dachlatten und manchmal sitzt die Kabeltrommel mit am Tisch.
Yvonne und Götz Petersen haben ausgerechnet in einem Baumarkt
eine der beliebtesten kulinarischen Adressen Sylts etabliert

 

Einiges hat Familie Petersen, Vater, Mutter und drei Kinder, 12, 15 und 19 Jahre alt, sich in den vergangenen Jahren abgewöhnen müssen. »Ich arbeite viel mehr als früher«, sagt Götz, »und unberechenbarer«, auch bleibt »Familienleben öfter auf der Strecke«. »Freizeit ist eigentlich ein Fremdwort«, bestätigt auch seine Geschäftspartnerin und Frau Yvonne, das letzte Mal, dass sie einfach so zusammen einen Abend verbummelt haben, ach, wann war das noch? Das spricht total für ihren Job, auch, wenn das etwas schräg klingt, sagen die Zwei, die Touristikerin und der renommierte Koch aus Bremen, und sie würden alles genauso wieder machen wie vor drei Jahren. Da war Götz noch der ewige Betriebsleiter und Küchenchef in einem großen namhaften Westerländer Bistro und getrieben von dem diffusen Gefühl, dass es das doch nicht für immer gewesen sein könne. Und als der Imbiss im Tinnumer Baumarkt von »Hage« oder »CG«, wie der Sylter den riesigen »Hagebaumarkt C.G. Christiansen« verknappt nennt, das erste Pächterpaar verschlissen hatte, schlug das dynamische Duett zu. Endlich mal alles genau so machen, wie man es will, kochen wie zuhause, alles frisch zubereiten, nachhaltiger wirtschaften, etwas wagen, sich gemeinsam was Neues zutrauen und aufbauen. Keine Kompromisse mehr.

Und so wurde die »Söl Kitchen« (»Söl« = Inselfriesisch für »Sylt«), sozusagen das vierte Kind von Yvonne und Götz und eine charmante Syltisierung des Filmtitels der »Soul Kitchen« von Fatih Akin, eröffnet. »Eine klassische Win-Win-Situation von Anfang an« sagt Götz, »wer Fugenkleber holt, kriegt Hunger, wenn er bei uns vorbeiläuft und es so gut riecht. Und wer bei uns isst, holt noch schnell die Nägel, die er schon immer besorgen wollte«. Was jetzt so logisch klingt, angesichts des endlosen Stroms Hungriger, war längst nicht immer so: Kaffeekocher, Brötchenschmierer und Würstchengriller, die auf den schnellen Handwerker-Euro hofften, haben sich hier schon vor ihnen die Finger verbrannt.

 

Warum funktionierts bei Götz und Yvonne? Vielleicht, weil sie ihrem klaren Bekenntnis zur Qualität so konsequent treu bleiben. Vielleicht, weil ihre Preise reell und niemals überdreht sind. Vielleicht, weil man hier zum laufend frisch gebratenen Fischfi let am Freitag auch noch die neuesten Inselnews mitbekommt, wenn der Dachdecker reinschneit, der Sani-Mann »Mittach« hat oder die Kollegen vom Appartementvermittler schrägschräg gegenüber (Ach?! Den kennen Sie? *smile*) alles für ihre Weihnachtsfeier klarmachen. Ein bisschen spielt bestimmt auch eine Rolle, dass es einfach besser schmeckt, wenn jemand für dich kocht, der so sympathisch wie enthusiastisch auftischt. Catering für eine Open-Air-Verlobungsfeier in der Vogelkoje, ein großes Grillfest für viele, eine Hochzeit: Natürlich kann man Götz und Yvonne auch Außer-Haus buchen. Dass sie sogar online eine leckere Performance abliefern (die Chefi n fotografi ert selber, Homepage und App werden laufend aktualisiert) hält viele treue Fans auch unter den Urlaubern bei Tisch. Mancher lädt sich sogar die App runter, guckt Zuhause dann sehnsüchtig jeden Tag online Götz in die Töpfe und übermittelt kurz vor Anreise seine Urlaubszeiten sowie den dringenden Wunsch nach »Königberger Klopsen, irgendwann in den nächsten 10 Tagen, bitte«.

Wenns irgend geht, macht Götz das möglich, na klar. Gerade haben sie wieder was Innovatives ausgekocht, wie sie eigentlich nonstop nach Optimierung auch zugunsten der Umwelt streben. Currywurst aus Bremen? Ein romantischer Zug auf der Speisekarte der beiden von der Weser, aber auf Dauer ja echt nicht zu vertreten, diese Wurtsttournee durch den ganzen Norden: Jetzt kommt die Wurst, nach langen Test- und Probereihen, stets nach eigenem Rezept zusammengewurstet, von einem Schlachter nahe Husum. Und alles zum Mitnehmen wird, bis auf Suppe, die ist einfach zu heiß für Umweltbewusstes, seit Kurzem ausschließlich in nachhaltiger Verpackung ausgegeben. Becher aus Maisstärke und Zuckerrohr, Teller aus Palmblättern, die sehen auch noch gut aus. »Immer heißt es, die Leute sind nicht bereit, mehr Geld auszugeben für die Umwelt«, sagt Yvonne, »Wir haben defi nitiv festgestellt: Das stimmt nicht. 10 Cent mehr für den Kaffee, bis zu 25 Cent mehr für Mahlzeiten to go, das wird gern bezahlt«. Vielleicht auch, weil man sich den Preisaufschlag so fair teilt, Hälfte für den Kunden, Hälfte übernimmt die Söl Kitchen, und das auch so kommuniziert.

Neulich hat die Söl Kitchen übrigens ein einziges Mal samstags aufgemacht. Der Grund? Ein HSV-Fan hatte mit Götz gewettet und krachend verloren. Da hat der gebürtige Bremer erst den Grill angeschmissen und dann den Unterlegenen tatsächlich gezwungen, mehrmals »Lebenslang Grün- Weiß« zu singen. Ein absolutes No-Go. Das wiederum werden wir Sylter Götz schon noch abgewöhnen, dieses Werder-Ding: Götz, der Insulaner trägt traditionell die Raute im Herzen, arbeite daran! MfG Deine Umwelt.

 

MAHLZEIT!

Söl Kitchen
Zum Fliegerhorst 3-9, 25980 Tinnum
Tel. 04651 / 934 288
Öffnungszeiten: täglich außer samstags, 07.00 – 17.30 Uhr

Auf allen Kanälen wird der täglich wechselnde Mittagstisch das Wasser im Mund zusammenlaufen kann. Zur Zeit ganz vorne auf der Hitliste: das Schnitzel, eigene facebook-Seite, APP und Homepage, so zeitig angezeigt, dass einem den ganzen Vormittag lang schön das kürzlich die beliebten 180-Gramm-Hamburger auf Platz zwei abdrängte.

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Sölkitchen und Götz kann man einfach nur empfehlen !! Sehr schöner Bericht, danke SAS !

Kommentar von Sandra |

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